Traktorreise 2015

Der Schlepper –ein Therapeut?

Die Grenzland-Schlepperfreunde gehen zusammen mit der Lebenshilfe Crailsheim neue Wege

Immer mehr sieht man Menschen auf alten Traktoren über Land fahren. Auf ihren windgegerbten Gesichtern zeichnet sich ein Dauerlächeln ab und man sieht ihnen an, dass diese Art der Fortbewegung etwas ganz Besonderes ist.

Es gibt jedoch noch einen weiteren Personenkreis der die Begeisterung für diese Art der Technik und Fortbewegung teilt –  es sind Menschen mit geistiger Behinderung. Wir nennen Sie auch Menschen mit Unterstützungsbedarf.  Der Wunsch auch einmal mit so einem Schlepper mitzufahren ist gerade bei diesem Personenkreis sehr groß und es gab bei der Lebenshilfe Crailseim e.V.- INKLUSIO immer wieder Anfragen zum Thema.

Einer der Mitarbeiter von INKLUSIO hat selbst zwei Eicher (EKL 15 II und EM 300) restauriert; somit war die Basis für eine Freizeit mit Traktoren geschaffen.  Die Freizeit sollte drei Tage über Land gehen und wurde unter das Motto „Die Entdeckung der Langsamkeit“ gestellt.

Nach der Ausschreibung der Freizeit wurde jedoch sehr schnell klar, dass vier Sitzplätze nicht reichen werden. Der Ansturm war so groß, dass innerhalb von zwei Tagen über 20 Anmeldungen eingingen. Die Warteliste wuchs und wuchs.

Jetzt wurde ein Partner gesucht und zum Glück auch gleich gefunden.  Zwei Mitglieder der „Grenzland-Schlepperfreunde“ aus der Region Feuchtwangen / Crailsheim waren sofort bereit hier helfend und engagiert mitzuwirken. Sie öffneten auch die Tür zu den anderen Vereinsmitgliedern und mittlerweile ist daraus ein vertrauensvolles, offenes und freundschaftliches Verhältnis entstanden. Man teilt ja auch die gleiche Leidenschaft.

Mittlerweile haben vier (vollkommen ausgebuchte) Traktorfreizeiten stattgefunden. Die Ausfahrten gingen mit fünf bis sechs Traktoren drei Tage durch die Grenzregion Mittelfranken-Hohenlohe. In einem entkernten Wohnanhänger werden Proviant, Zelte, Gepäck, sowie Geschirr und Grills transportiert. Übernachtet wird immer in verschiedenen Orten. Bei jeder Fahrt werden besonders reizvolle Orte, Naturdenkmäler und Museen besucht. Übernachtet wird immer in der Natur. Selbst starker Regen konnte die gute Laune der Teilnehmer nicht trüben. Jeder der möchte kann auch einmal mit fachlicher Begleitung einem Traktor fahren. Wer einmal in die strahlenden Gesichter der Reisegäste gesehen hat, erkennt sofort, dass es kaum etwas Schöneres geben kann.

Dabei ist den Veranstaltern  auch wichtig, dass Begegnung stattfindet. Menschen mit Unterstützungsbedarf haben oft wenig Gelegenheit mit der „normalen Gesellschaft“ in Berührung zu kommen. Sie leben oft sehr zurückgezogen. Bei der Arbeit, in der Freizeit und auch im Urlaub ist man immer unter sich. Neue Bekanntschaften zu schließen ist nicht einfach.

Bei der Traktorfreizeit gelingt dies sehr gut, wechselnde Orte, Teilnehmer aus verschiedenen Einrichtungen (auch Grenzüberschreitend) und die Schlepperfreunde – immer wieder gibt es neues zu erleben.

Christan H., ein Autist, der sich mit Schleppern und Technik bestens auskennt, war bei jeder Traktorfahrt mit dabei. Er hat sich auch schon für die kommenden Freizeiten einen Patz reservieren lassen, und kommentiert: „Besser geht´s nicht“. Mehr gibt es dazu nicht mehr zu sagen.

Nun zur Ausgangsfrage, ist der Schlepper ein Therapeut? Er vielleicht nicht – aber Schlepperfahren durch wunderschöne Natur ist eine sehr wirksame Therapie gegen trübe Gedanken und Einsamkeit. Grenzen werden überschritten und ausgeweitet, neue Erfahrungen steigern Selbstvertrauen und die Wahrnehmung. Schlepperfahren – die Delphintherapie „Made im Grenzland“.

Die Lebenshilfe Crailsheim dankt in diesem Artikel den Grenzland Schlepperfreunden. Ganz besonders Wilhelm Schwarz und Hermann Müller für ihr großes Herz für diese besonderen Menschen.

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